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Wir nahmen jemanden mit in die Berge, den Berge nie besonders interessiert hatten

Ein Tag am Schafberg mit einem Freund, der wegen der Zahnradbahn und nicht wegen der Berge mitkam und oben plötzlich nach jedem See und Gipfel am Horizont fragte.

Unser Freund sagte dem Ausflug auf den Schafberg zu, nachdem wir ihm erzählt hatten, dass dort eine Bahn hinauffährt.

Dieses Detail war entscheidend.

Er hatte keine Höhenangst und war auch nicht ungern draußen. Berge lösten bei ihm einfach nichts aus. Wenn wir von einer Tour zurückkamen und von einem Grat oder Gipfel erzählten, hörte er so höflich zu wie wir, wenn er seine neue Kaffeemühle erklärte: mit Sympathie, aber ohne das Bedürfnis, jedes Detail zu verstehen.

Als er uns zu einem Wochenende am Wolfgangsee begleitete, schlugen wir deshalb keine Tagestour vor. Wir entschieden uns für die Schafbergbahn, jene rote Zahnradbahn, die seit 1893 von St. Wolfgang hinauffährt.

Seine Antwort kam sofort.

"Eine Bahn, Aussicht und Mittagessen? Klingt vernünftig."

Am nächsten Morgen interessierte ihn an der Talstation die Technik mehr als der Berg darüber. Er betrachtete die Zahnstange zwischen den Schienen, fotografierte die alte Lokomotive im Ausstellungsbereich und fragte, wie etwas so Schweres diese Steigung bewältigen könne. Der Gipfel war hinter den Dächern nicht zu sehen, und vorerst störte ihn das nicht.

Wir setzten uns ans Fenster. Bald blieb St. Wolfgang hinter uns zurück und der Wolfgangsee tauchte erst zwischen Häusern, dann zwischen Wiesen und schließlich zwischen Bäumen auf. Die Bahn fuhr langsam genug, um Gärten und Kühe zu beobachten, stieg aber so steil an, dass der See erstaunlich schnell unter uns sank.

Unser Freund machte ein paar Fotos und steckte das Telefon wieder ein.

"Schöner See", sagte er.

Das war nicht sarkastisch gemeint. Es war aber offensichtlich auch das Ende seiner Bewertung.

Bei der Schafbergalm, ungefähr an der Baumgrenze, öffnete sich der Blick. Der Wolfgangsee war nun nicht mehr einfach ein See neben einem Ort, sondern eine lange blaue Form zwischen grünen Hängen. St. Wolfgang bestand nur noch aus hellen Flecken am Ufer. Alle im Wagen beugten sich zu den Fenstern. Unser Freund ebenfalls, auch wenn er so tat, als wolle er nur jemandem hinter sich Platz machen.

Der letzte Abschnitt führte dicht an Felswänden und durch zwei kurze Tunnel. Als wir an der Bergstation auf 1.732 Metern ausstiegen, war der Wind deutlich kälter als unten am Wasser. Er schloss seine Jacke, ging ein paar Meter zum Grat und blieb stehen.

Unter uns lagen Seen in mehreren Richtungen. Der Wolfgangsee war nah und leuchtend blau. Auf der anderen Seite zog sich der Mondsee entlang, weiter nördlich erkannten wir den Attersee. Dahinter lagen Schichten heller Kalkberge, manche rund, andere von scharfen Wänden begrenzt.

Eine Weile sagte niemand etwas.

Dann fragte er:

"Welcher davon ist der See, an dem wir gestern vorbeigefahren sind?"

Wir zeigten auf den Mondsee.

"Und diese Felsen dahinter?"

Wir hatten eine Vermutung, waren uns aber nicht sicher genug. Also öffnete ich Hill Explorer.

Ich hielt das Telefon hoch und richtete es auf den Horizont. Die Namen legten sich über die Landschaft: das Höllengebirge hinter den Seen, das Dachsteinmassiv weiter im Süden und kleinere Gipfel in den Zwischenräumen.

Unser Freund nahm mir das Telefon aus der Hand.

Nicht weil ich es ihm anbot. Er griff einfach danach und drehte sich langsam im Kreis.

Die ersten Versuche waren etwas unbeholfen. Er zielte zu tief, verlor den Horizont und schimpfte über die Sonne auf dem Display. Dann passte eine Beschriftung genau zu einem Gipfel, den er mit eigenen Augen wiederfinden konnte. Er senkte das Telefon, suchte den Berg erneut und hob es zur Kontrolle noch einmal an.

"Das ist also der Dachstein? Er wirkt näher, als ich dachte."

Eine Minute später wollte er wissen, warum ein Berg höher aussah, obwohl die App eine geringere Höhe zeigte. Wir sprachen über Entfernung und Perspektive. Er verfolgte die Linie des Höllengebirges, fragte nach der Herkunft des Namens und versuchte herauszufinden, welche Seite des Schafbergs wir von der Straße gesehen hatten.

Nichts davon war geplant.

Wir hatten mit zehn Minuten am Aussichtspunkt, einem Gruppenfoto und Kaffee vor der reservierten Talfahrt gerechnet. Stattdessen ließen wir eine Bahn ohne uns abfahren und buchten auf eine spätere um.

Beim Mittagessen zeichnete er die Form des Wolfgangsees auf eine Papierserviette und setzte den Mondsee auf die falsche Seite. Wir korrigierten ihn. Er widersprach, prüfte den Blick aus dem Fenster und verbesserte die Zeichnung schließlich selbst.

Zum Bergsteiger wurde er dadurch nicht. Bei der Talfahrt fand er noch immer, dass der ganze Aufstieg zu Fuß unnötiges Leiden gewesen wäre. Er fragte nicht nach Wanderschuhen, und am Abend beschäftigte ihn wieder stärker, wo es in St. Wolfgang guten Kaffee gab.

Am nächsten Morgen packten wir jedoch am See das Auto, als er über das Wasser zeigte.

"Gehört das dort noch zum Schafberg, oder ist das schon etwas anderes?"

Es war eine kleine Frage, gestellt mit einem halb gegessenen Gebäck in der Hand. Vielleicht wirkte sie gerade deshalb ehrlich.

Jahrelang hatten wir versucht zu erklären, warum uns Berge wichtig waren. Wir sprachen über Stille, Anstrengung, Weite und das Gefühl auf einem Gipfel. Nichts davon hatte bei ihm viel bewirkt. Am Schafberg fand er schließlich seinen eigenen Zugang: nicht über Leistung, sondern über Namen, Entfernungen und die einfache Freude daran, zu verstehen, was vor ihm lag.

Manchmal muss man niemanden davon überzeugen, Berge zu lieben.

Es reicht, wenn ihm die erste echte Frage dazu einfällt.

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